Das Angler
Sattelschwein
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Auf dieser Seite stellen wir das Angler Sattelschwein vor, beschreiben, was seine Besonderheiten sind und warum alte Rassen wichtig für unser aller Zukunft sind. Wir wollen Menschen anregen, die Produkte des Angler Sattelschweins kennen zu lernen und Landwirt*innen ermutigen, Angler Sattelschweine zu halten.
Es sieht anders aus
Sein Markenzeichen ist die besondere Zeichnung der Haut- und Borstenfarbe. Typisch ist ein schwarzes Schwein, das im Schulterbereich einen weißen Bereich den sogenannten »Sattel« aufweist. Zudem sind die großen Schlappohren prägend.
Es wächst anders
Aufgrund der oft längeren Lebensdauer erreichen sie höhere Gewichte als andere Schweine. Viele weitere Eigenschaften hängen stark von der Haltung und Fütterung ab. Angler Sattelschweine, die zur Mast gehalten werden wirken etwas schmaler und hochbeiniger als sonst übliche Schweine.
Es wird anders gefüttert
Angler Sattelschweine wachsen langsamer und können hohe Futtermengen insbesondere auch hochwertiges Raufutter aufnehmen. Sie werden meist extensiv mit regional verfügbaren Futtermitteln wie Getreide, Hülsenfrüchten oder Raufutter (z. B. Silage, Gemüsereste oder gedämpfte Kartoffeln) gefüttert. Gerne gehen sie auf die Sauenweide und fressen Gras.
Es lebt anders
Angler Sattelschweine werden meist extensiv und oft nach Vorgaben der EU-Öko-Verordnung gehalten. Daraus folgt, dass sie in der Regel Stroheinstreu zum Wühlen und Zugang zu einem Auslauf haben. Auf manchen Betrieben wird auch eine Suhle angeboten.
Es ist diverser
Angler Sattelschweine sind häufig unterschiedlich z. B. in der Wachstumsgeschwindigkeit, dem Fleischansatz oder dem Fettanteil. Große einheitliche Mastgruppen können mit reinen Angler Sattelschweinen weniger gut erreicht werden. Dafür bietet es insbesondere in der Direktvermarktung Vorteile, da unterschiedliche Ausprägungen der Masttiere für individuelle Veredelungsprodukte geeignet sind.
Einheimische Rasse
Das Angler Sattelschwein zählt zu den einheimischen oder auch alten Rassen in Deutschland. Es gibt hier nur noch fünf alte Schweine-Nutztierrassen. Die Vielfalt der Rassen nimmt weltweit ab und einzelne alte Rassen weisen geringe Tierbestände auf. Dazu gehört auch das Angler Sattelschwein. Es ist vom Aussterben bedroht.
1920er Jahre
In den 20er Jahren importierten erstmals einige Züchter aus Angeln englische »Wessex Saddlebacks« und kreuzten sie mit dem heimischen Landschwein. Das Ergebnis wurde 1937 als Rasse offiziell anerkannt.
1930er–50er Jahre
Es begann der Aufstieg des Angler Sattelschweins, dessen Eigenschaften hervorragend zu den Ansprüchen der Zeit passten. Dazu gehörte ein erhöhter Fettanteil von besonders guter Qualität und eine hervorragende Mütterlichkeit sowie Anspruchslosigkeit gegenüber den Haltungs- und Fütterungsbedingungen.
60%
aller Zuchtschweine in Schleswig-Holstein waren um 1950 Angler Sattelschweine
1950er–80er Jahre
Mit den zunehmend veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen sank der Bedarf an fettreichem Fleisch und wurde durch die Nachfrage nach magerem Fleisch abgelöst. Hinzu kam die Einführung der Hybridzucht beim Schwein, wodurch einheimische Rassen, wie das Angler Sattelschwein, an Bedeutung verloren.
1990er Jahre
Anfang der 90er Jahre konnte man die noch existierenden Exemplare in Schleswig Holstein an zwei Händen abzählen.

Heute
Obwohl nach der Wiedervereinigung Tiere aus ostdeutschen Beständen nach Schleswig-Holstein geholt wurden und trotz intensiver Zuchtbemühungen findet sich das Angler Sattelschwein heute auf der Roten Liste der bedrohten Rassen.
Allgemeines
Bäuerliche Zucht gibt es nur noch bei einheimischen Rassen auf kleinen Betrieben. Große konventionelle und ökologische Tierhalter treffen nur wenige Zuchtentscheidungen. Dazu gehört z. B. welche Rasse sie halten wollen und welches Vatertier besonders geeignet ist. Die intensive züchterische Bearbeitung von Schweinen findet bei großen Zuchtunternehmen statt.
Der Mensch selektiert
Bei der bäuerlichen Zucht, wählt der*die Züchter*in Sauen und Eber aus, die erwünschte Eigenschaften haben und bringt sie zur Paarung zusammen. Bei Angler Sattelschweinen stehen dabei häufig äußere Merkmale im Vordergrund, wie z. B. die Farbgebung. Darüber hinaus wird auch auf Eigenschaften wie Mütterlichkeit oder Umgänglichkeit selektiert.
Individuelle Unterschiede
Einheimische Rassen weisen meist eine Vielfalt in ihren Eigenschaften auf, d. h. sie sind genetisch weniger einheitlich. Dadurch sind sie weniger passfähig für genormte Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen. Zudem sind ihre Leistungen (z. B. Muskelfleischanteil) reduziert und sie verwerten Futter teilweise weniger effizient.
Angepasst an regionale Bedingungen
Je nachdem, wie die landschaftlichen und klimatischen Bedingungen waren, entstanden auf diese Weise Nutztierrassen, die gut an regionale Gegebenheiten angepasst sind. Das Angler Sattelschwein ist z. B. gut an die norddeutschen klimatischen Verhältnisse und das regionale Futterangebot angepasst.
Fokus auf äußerliche Merkmale
Bei der Zucht einheimischer Rassen steht heute meist die Erhaltung rassetypischer äußerlicher Merkmale im Vordergrund (z. B. der Sattel der Sattelschweine). Merkmale, wie Fleischansatz oder Fleischqualität, die für die Vermarktung wichtig sind werden wenig beachtet. Dies führt dazu, dass nur Nischenmärkte bedient werden können.
Es gibt fast nur Hybridschweine
In der konventionellen Schweinemast und auch in den meisten Öko-Betrieben werden Hybridschweine eingesetzt. Sie verfügen über höhere Leistungen und sind einheitlicher als Schweine aus bäuerlicher Zucht.
Hybridzucht wird in großen Konzernen durchgeführt
Verschiedene Reinzuchtpopulationen mit sehr einheitlichen Eigenschaften werden in mehreren Kreuzungsschritten miteinander kombiniert (= Hybridzucht). Auf diesem Wege werden Mastschweine erzeugt, die über hohe und einheitliche Leistungen verfügen. Die spezialisierten Schweinemäster kaufen für ihre Mastdurchgänge jeweils neue Ferkel.
Passgenau
Die Anlagen und Maschinen für den Schlachtprozess und die Verarbeitung sind genau auf die Größe und Beschaffenheit der Schlachtkörper abgestimmt. Durch die Einheitlichkeit der Tiere sind die Abläufe sehr effizient. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Konfektionierung der Tiere.
Vor- und Nachteile
Die Hybridzucht bringt Tiere auf den Markt, die günstiges Schweinefleisch mit hohem Muskelfleischanteil liefern und das mit geringst möglichem Futtereinsatz. Die hohe Leistung ist zwar effizient geht aber zu Lasten der genetischen Vielfalt und kann zu Tierwohlproblemen führen, wenn die Haltungsbedingungen nicht optimal sind.
Heterosiseffekt
Zusätzlich zur Einheitlichkeit hat die Hybridzucht den Vorteil, dass bei den Endprodukten der Heterosiseffekt zum Tragen kommt. Dieser Vererbungseffekt, der durch die Kombination genetisch unterschiedlicher Reinzuchtpopulationen entsteht, sorgt für eine erhebliche Leistungssteigerung.
Marmoriert
Das Fleisch vom Angler Sattelschwein ist gut marmoriert und hat somit einen hohen intramuskulären Fettgehalt. Die Speckauflage ist zudem sehr hoch. Auffallend ist aber die sehr gute Speckqualität, die etwas dunklere Farbe und die festere Konsistenz.
Bleibt wie es ist
Herkömmliches Schweinefleisch verliert beim Garen oft Flüssigkeit, bekommt eine helle Farbe und eine weiche Konsistenz. Beim Angler Sattelschwein bleibt die Struktur in der Regel erhalten und es kommt zu keinem Qualitätsverlust.
Ungewohnt
Eine dicke Fettschicht am Kotelett und eine deutliche Marmorierung des Fleisches sind für die meisten Menschen ungewohnt. Fettes Schweinefleisch hat einen hohen Gehalt an gesättigten Fettsäuren und Kalorien. Allerdings ist Fett ein Geschmacksträger, sodass sich ein erhöhter Anteil positiv auf die sensorischen Eigenschaften auswirkt.
Speck für die Verarbeitung
Für Wurstwaren wird Fett in guter Qualität (möglichst geringer Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren) benötigt. Letztere sind bei kommerziellem mageren Schweinefleisch in höherem Maß vorhanden. Angler Sattelschweine verfügen in dieser Hinsicht über besonders vorteilhafte Fettqualitäten, so dass z. B. Wurst nicht so schnell ranzig wird und seine Schmackhaftigkeit lange bewahrt.
Gesättigte und ungesättigte Fettsäuren
Auch wenn mehrfach ungesättigte Fettsäuren grundsätzlich gesünder für den menschlichen Organismus sind, leidet die Qualität von Fett und Fleisch mit einem höheren Anteil. Es verdirbt schneller, schmeckt leichter ranzig und wird weich. Für Geschmack, Verarbeitung und Haltbarkeit sind gesättigte Fettsäuren besser. Wurst vom Angler Sattelschweinen hat eine lange Haltbarkeit und hält sehr gut den Geschmack.
Genügsame, umgängliche und mütterliche Tiere
Angler Sattelschweine sind robust und können gut mit Auslauf oder im Freiland gehalten werden. Sie sind langsamer wachsend und sollten mit einem hohen Anteil an Raufutter (z. B. Silage) versorgt werden. Kommerzielle Kraftfutterrationen oder ad libitum Fütterung sind nicht geeignet, da die Tiere einen geringeren Nährstoffbedarf als kommerzielle Herkünfte haben.
Ein besonderes Original
Das Angler Sattelschwein ist in seinen Leistungseigenschaften sehr divers und passt daher nicht zu herkömmlichen Vermarktungsstrukturen. Für die Direktvermarktung und insbesondere für die Veredelung zu Wurstwaren, weist es jedoch eine Reihe von Vorteilen auf.
Idealer Hofgenosse für Kreisläufe
Angler Sattelschweine eignen sich gut als Reste-und Raufutterverwerter. So passen sie ideal für Betriebe, die Kleegras, aussortierte Kartoffeln (gedämpft) oder Rückstände aus der Hofmolkerei übrig haben.
Weidefläche
Ein Auslauf sollte mindestens zur Verfügung gestellt werden, in dem Möglichkeiten zum Wühlen vorhanden sind, damit die Tiere arteigene Verhaltensweisen ausüben können. Auch die Nutzungen von Weiden durch Angler Sattelschweine ist möglich.
So können z. B. Sauenweiden einen Teil des Nährstoffbedarfes der Tiere decken.
Eigene Vertriebswege
Fleisch vom Angler Sattelschwein ist u. a. aufgrund seiner Heterogenität ein Nischenprodukt und braucht eigene, regionale Vertriebswege über Hofläden oder Kooperationen mit Restaurants. Das besondere Aussehen des Schweins stellt hier als Alleinstellungsmerkmal einen Vorteil dar.
Schutz vor Seuchen
Alle Rechtsvorgaben zur Schweinehaltung müssen auch bei der Haltung von Sattelschweinen eingehalten werden. So wird z.B. eine doppelte Umzäunung, die den Kontakt mit Wildschweinen unterbindet, benötigt. Die afrikanische Schweinepest ist neben anderen Krankheiten eine dauerhafte Gefahr.
Schlachtung
Eine Schlachterei in der Nähe, die auch Einzeltiere schlachtet ist eine notwendige Bedingung. Ebenso ein Betrieb für die Verarbeitung, wo ohne lange Transportwege Wurstprodukte hergestellt werden können.
Kreuzung
Angler Sattelschweine eignen sich besonders gut als Kreuzungspartner auf der Mutterseite. Hier können die mütterlichen Eigenschaften genutzt und mit der Anpaarung einer schneller wachsenden Rasse, mit magerem Fleisch, gute Mastergebnisse erzielt werden. So können 700 g tägliche Zunahme und 50 % Muskelfleischanteil erzielt werden. Auch hier sind angepasste Vermarktungswege notwendig und das Herausstellen des Angler Sattelschweins als regionale Besonderheit an der Ladentheke.
Maßarbeit
Die Schlachtkörper von Angler Sattelschweinen sind nicht konfektioniert, d. h. der Schlachtprozess (u. a. die Betäubung) muss individuell an die Tiere angepasst werden. Dafür sind geeignete Schlachtbetriebe notwendig, die über entsprechende Kenntnisse verfügen.
Haltungswissen
Trotz seiner Anspruchslosigkeit ist das Angler Sattelschwein kein »Anfängerschwein«. Es ist daher erforderlich, Wissen über die Haltung dieser Schweine zu haben, insbesondere im Hinblick auf deren Gesunderhaltung und die bedarfsgerechte Fütterung.
Extensive Haltung
Angler Sattelschweine sind für extensive Haltungsformen gut geeignet. Insbesondere für die Bereitstellung bedarfsgerechter Futterrationen sind umfassende Kenntnisse erforderlich. Angler Sattelschweine, die nicht bedarfsgerecht gefüttert werden, wachsen ansonsten weniger, als es ihrem Potential entspricht. Futterrationen sollten unter der Berücksichtigung von Raufutter individuell errechnet werden. Hier kann die Beratung unterstützen.
Kommunikation
Es sollte Bereitschaft bestehen, mit Kund*innen zu kommunizieren und etwas zu den Schweinen und Produkten zu erzählen. Die Erscheinung des Fleisches (dicker Fettrand, kleinere Koteletts) ist möglicherweise ungewohnt und bedarf weiterführender Erläuterung.
Kreuzungstiere für weniger Speck
Um passendere Koteletts zu erhalten, kann es sinnvoll sein Kreuzungstiere zu halten. Zu beachten ist aber, dass Wurstwaren und weiter verarbeitete Produkte des reinen Angler Sattelschweins aufgrund der außerordentlich guten Speckqualitäten spezielle Delikatessen sein können.
Verzeichnis der Abstammungen
Das Herdbuch ist ein Register für Zuchttiere, das in der Regel von Fördervereinen geführt wird. Jede*r Züchter*in, die*der Mitglied ist, trägt dazu bei, den Bestand einer bedrohten Rasse zu stabilisieren.
Herdbuchzucht verhindert Inzucht
Die Nutzung von Herdbuchtieren und das Registrieren des eigenen Bestands ist wichtig für den Rasseerhalt. Nur so kann die Herkunft abgesichert und eine Population kontrolliert erhalten werden. Über das Herdbuchmanagement werden zudem Anpaarungsempfehlungen ausgesprochen, um eine Erhöhung des Inzuchtniveaus zu verhindern.
Stellt Zuchttiere zur Verfügung
Die Zugehörigkeit zum Herdbuch ermöglicht es, passende Zuchttiere kaufen zu können, deren Abstammung dokumentiert ist. Die Fördervereine bemühen sich zudem um die Belange von einheimischen Nutztierrassen und sind wichtig für die Etablierung von Förderinstrumenten.
Erfolge der Herdbuchzucht
Durch den umfassenden Einsatz des Fördervereins Angler Sattelschwein e. V. und der Züchter*innen ist es ermöglicht worden, dass das Angler Sattelschwein trotz der eigentlich sehr geringen Tierzahlen genetisch sehr heterogen aufgestellt ist.
Zukunft der bäuerlichen Zucht
Die Weiterentwicklung der Zucht der Angler Sattelschweine ist entscheidend. In Zukunft sollten verstärkt Leistungsmerkmale in der Selektion berücksichtigt werden. Eine Steigerung und Vereinheitlichung der Leistungen steigert das wirtschaftliche Potenzial der Rasse. Hier sind alle gefordert, die das Angler Sattelschwein zu einer gut bekannten Schweinerasse in der norddeutschen Region entwickeln möchten.
Insgesamt fünf und alle sind bedroht

Alle fünf einheimischen Schweinerassen in Deutschland sind relativ jung und oft aus der Kreuzung von Landrassen mit britischen Rassen Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.
Leicoma

Am stärksten gefährdet. Verdankt seinen Namen der Herkunft aus dem Landschaftsdreieck Leipzig, Cottbus, Magdeburg
Buntes Bentheimer

Ähnlich wie Sattelschweine aus der Kreuzung britischer Rassen mit dem heimischen Marschwein entstanden. Es ist vorwiegend in Niedersachsen beheimatet.
Deutsche Landrasse

Wird oft als Grundlage für die Hybridzucht verwendet.
Deutsches Edelschwein

Wird ebenfalls oft als Grundlage für die Hybridzucht verwendet.
Die Artenvielfalt geht weltweit zurück!
Das weltweite Schwinden der Artenvielfalt ist eine der Hauptbedrohungen für die Menschheit und den Planeten. Die vielen Millionen Nutztiere in konventioneller Haltung stammen in der Regel von einer kleinen Zahl von Elterntieren ab, sind also in ihrer genetischen Vielfalt sehr begrenzt.
Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt
Wenn Nutztiere bäuerlich gezüchtet werden, passen sie sich an die Anforderungen der Umgebung an. Welche Eigenschaften in Zukunft für die Tierhaltung wichtig sein werden, in Bezug auf Klima, Tiergesundheit oder Fütterung wissen wir nicht. Es ist zu erwarten, dass diese Schweine verstärkt fähig sein sollten, auch Raufutter, wie z. B. Kleegras zu verwerten. Der Erhalt einer hohen genetischen Vielfalt erscheint hier sinnvoll.
Sie haben einen hohen kulturellen Wert
Dadurch, dass sich lokale Rassen in den letzten Jahrhunderten an regionale Gegebenheiten angepasst haben, sind sie heute Aushängeschilder von Regionen und tragen zum Erhalt von Kulturlandschaften bei.
Eignung für die ökologische Landwirtschaft
In der EU-Öko-Verordnung ist zur ökologischen Tierhaltung vorgegeben, dass möglichst einheimische Nutztierrassen eingesetzt werden. Das ist jedoch nicht auf allen schweinehaltenden Betrieben möglich, da Großschlachtereien und Handelsketten einheitliche Partien mit hohen Muskelfleischanteilen fordern. Angler Sattelschweine weisen allerdings positive Eigenschaften auf, die einen vielfältigen Betriebskreislauf abrunden können.
Sie sind ein lebendiger Genpool
Merkmale wie Langlebigkeit, Widerstandsfähigkeit, Robustheit oder Genügsamkeit könnten in Zukunft wieder wichtiger werden. Diese sind in einheimischen Rassen möglicherweise erblich stärker verankert. Hier bedarf es allerdings weiterer Forschung.
Ja, stimmt …
… gleichzeitig ist es die einzige Möglichkeit, eine Nutztierrasse lebendig zu halten.
Wildtiere schützen vs. Nutztiere schützen
Beim Schutz von Wildtieren geht es darum, Lebensräume zu erhalten und jedes Individuum soll so lange wie möglich leben. Bei Nutztieren wird sich eine Rasse auf Dauer nur halten können, wenn sie in irgendeiner Form wirtschaftlich gehalten, eben »genutzt« wird.
Archen und Genbanken
Begleitende Wege der Arterhaltung sind Arche-Höfe und Kryoreserven (eingefrorenes Erbgut). Hier kann jedoch nur ein bestimmter »Status Quo« konserviert werden. Die Rasse verändert sich nicht mehr mit ihrer Umwelt.
Argumente für die Nutzung
Wenn Nutztiere sinnvoll in einen Hof integriert werden sollen, dann muss eine Form der Selektion stattfinden. Z. B. sind die Hälfte der Nachkommen männlich, werden aber nicht alle als Vatertiere gebraucht. Um eine Population zu entwickeln, muss also ein Teil der Tiere geschlachtet und auch gegessen werden.
PERSA
Das EIP-Projekt „Perspektiven für eine wirtschaftliche Nutzung des Sattelschweins – PERSA“ wurde mit dem Ziel gegründet, eine Strategie zu entwickeln, die Angler Sattelschweinen sowie den Halter*innen bzw. Züchter*innen dieser einheimischen Rasse neue Perspektiven bietet. Im Projektzeitraum 2022–2025 wurde an der Entwicklung von Züchtungsstrategien gearbeitet, die den Erhalt der Rasse vorantreiben. Außerdem wurde die Mütterlichkeit, die Robustheit, die Leistung, und die Fleischqualität von Angler Sattelschweinen unter praktischen Bedingungen und in einer Prüfanstalt erfasst. Damit wurden umfassende wissenschaftliche Analysen dieser Rasse generiert. Auf dieser Basis wurden Empfehlungen für das Zuchtmanagement, die Fütterung (Besondere Berücksichtigung von Raufuttergaben) und die Vermarktung abgeleitet.
Dr. Anna Olschewsky,
Dr. Margret Krieger und Prof. Dr. Dirk Hinrichs
Universität Kassel
Es braucht engagierte Menschen, die die Arbeit des Fördervereins Angler Sattelschwein e.V. sowie die Zuchtorganisationen von einheimischen Rassen allgemein unterstützen. Interessent*innen können sich gerne melden:
Inken Mohr
0172-4751178
vorstand@angler-sattelschweine.de
Interessierte sind willkommen! Hier gibt es Input und auch Möglichkeiten für Praktika uvm.
Am Standort Witzenhausen gibt es einzigartige und vielfältige Studiengänge rund um Themen der ökologischen Landwirtschaft. Hier wird auch die Zucht und Haltung einheimischer Nutztierrassen thematisiert.
Wer Angler Sattelschweine halten möchte und Unterstützung im Bereich Stallbau, Fütterungsoptimierung, Tiergesundheit, Verarbeitung und Vermarktung sucht, meldet sich gerne bei uns. Wir beraten alle Schweinehaltenden die ökologisch wirtschaften oder auf Ökolandbau umstellen möchten. Nutzen Sie die Möglichkeiten der kompetenten Fachberatung.
Konzeption, Redaktion und Gestaltung der Seite:
Mario Mensch
Verwendete Quellen:
Agrarheute, 2023, https://www.agrarheute.com/tier/schwein/importiertes-sojaschrot-beim-schwein-ersetzen-alternativen-607725
Arche Warder, 2025, https://www.arche-warder.de/tiere/angler-sattelschwein/
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), 2025, https://www.lfl.bayern.de/itz/schwein/189644/index.php
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Rote Liste 2023, https://www.ble.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/240116_Rote-Liste.html
Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL), 2025, https://www.nutztierhaltung.de/schwein/mast/
BZL, 2025, https://www.nutztierhaltung.de/schwein/mast/oekonomie/einheimische-und-gefaehrdete-schweinerassen/
beobachtungspopulationen-beim-schwein/#c3379
Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO), 2025, https://www.fao.org/dad-is/browse-by-country-and-species/en/
Förderverein Angler Sattelschwein, 2025, https://www.angler-sattelschweine.de/zuchtgeschichte/
Förderverein Bioökonomieforschung e. V., 2025, https://zuchterfolge.de/allgemein/schweine-de.html
Landwirtschaftskammer NRW, 2024, https://www.landwirtschaftskammer.de/foerderung/laendlicherraum/aum-2023/bedrohte-rassen.htm
LfL, Schweinezucht und Schweineproduktion, 2006, S.131, https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/schriftenreihe/p_19786.pdf
Makanjuola 2020, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32278553/
Sambraus: »Farbatlas Nutztierrassen: 263 Rassen in Wort und Bild«, Verlag Eugen Ulmer, 2011